Affaire und Seitensprung: Solltest du ein Fremdgehen verzeihen?

Es ist ein Ohnmachtsgefühl, das dich überrollt: Enttäuschung, Wut und der bohrende Schmerz des Verrats.

Wenn du erfahren hast, dass dein Partner oder deine Partnerin fremdgegangen ist, fühlt es sich oft an, als würde der Boden unter deinen Füßen wegbrechen. Doch was jetzt? Solltest du das Fremdgehen verzeihen oder einen Schlussstrich ziehen? Dieser Artikel beleuchtet die gesellschaftlichen, psychologischen und praktischen Aspekte, um dir eine Orientierung zu geben.

 


Fremdgehen in unserer Gesellschaft

Fremdgehen wird in vielen Kulturen als Tabu betrachtet, obwohl es weit verbreitet ist. Statistiken zeigen, dass etwa jede*r Dritte im Laufe einer festen Beziehung mindestens einmal fremdgeht. Gesellschaftliche Erwartungen an Monogamie und absolute Treue setzen Beziehungen unter Druck. Dennoch ist der Wunsch nach Abenteuer, emotionaler Nähe oder körperlicher Erfüllung oft stärker, was zu Affären oder Seitensprüngen führt.

Dabei wird Fremdgehen nicht nur als körperlicher, sondern auch als emotionaler Verrat empfunden. Ein Grund, warum es so schwer ist fremdgehen zu definieren. Wann ist jemand körperlich fremdgegangen und wann emotional? In einer Gesellschaft, die Treue als Beweis für Liebe definiert, kann ein Seitensprung das gesamte Beziehungsfundament erschüttern. Doch ist Fremdgehen immer das Ende? Oder gibt es Wege, den Schmerz zu überwinden und Vertrauen wieder aufzubauen? Kann man fremdgehen verzeihen?

 


Typische Ursachen und Fehler beim Umgang mit einem Seitensprung

Aus der Beratungsperspektive zeigen sich mir immer wieder ähnliche Muster und Ursachen:

Fehlende Kommunikation:

Bedürfnisse und Wünsche bleiben unausgesprochen, wodurch sich eine emotionale Distanz entwickelt. Die meisten Menschen haben nicht gelernt ehrlich zu kommunizieren und haben manchmal sogar trotz offener Beziehung Angst die Wahrheit auszusprechen und jemanden zu verletzen.

Unerfüllte Sehnsüchte:

Einer, beide oder alle Partner*innen fühlen sich nicht gesehen, wertgeschätzt oder körperlich erfüllt. Auch hier wird meist nicht ausgesprochen, was unerfüllt bleibt. Viele Menschen haben Angst der Partner*in das Gefühl zu geben nicht genug zu sein.

Alltagsstress:

Überforderung durch Arbeit, Familie oder andere Verpflichtungen lässt die Beziehung zur Nebensache werden.

Flucht aus Problemen:

Ein Seitensprung kann auch ein Weg sein, ungelöste Konflikte zu vermeiden oder aus der Beziehung auszubrechen.

Nach dem Fremdgehen kommt es dann zu typischen Fehlern, wie zum Beispiel:

  • Der Versuch, das Problem zu verdrängen oder totzuschweigen.
  • Schuldzuweisungen, die in endlosen Streitereien münden.
  • Keine klaren Konsequenzen ziehen, was Unsicherheit verstärkt.

In meinen Beratungen habe ich erlebt, dass viele Menschen nach einem Seitensprung in einem emotionalen Teufelskreis feststecken: Sie wollen vergeben, wissen aber nicht, wie sie Vertrauen aufbauen sollen.


Solltest du das Fremdgehen verzeihen?

Die Antwort darauf liegt in einer ehrlichen Reflexion und Kommunikation. Hier sind einige Kriterien, die dir helfen können, eine Entscheidung zu treffen:

Wie lange ging die Affäre?

Ein kurzer Seitensprung aus einer Situation heraus ist anders zu bewerten als eine langjährige, geheime Zweitbeziehung.

Hat die Person die Affäre selbst gestanden?

Ehrlichkeit kann ein Zeichen dafür sein, dass die Person Verantwortung übernimmt und bereit ist, an der Beziehung zu arbeiten.

Sind beide bereit, 100 % Energie in den Neustart zu investieren?

Ohne die Bereitschaft, alte Wunden zu heilen und neue Beziehungsgrundlagen zu schaffen, ist eine langfristige Lösung kaum möglich.

Gibt es eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Ursachen?

Nur wenn beide Partner verstehen, warum es zum Fremdgehen kam, können sie verhindern, dass sich die Situation wiederholt.


Wege aus der Krise: Vertrauen aufbauen und Beziehung neu definieren

Wenn du dich entscheidest, an der Beziehung zu arbeiten, sind klare Regeln und offene Gespräche entscheidend. Hier sind einige Ansätze:

  • Neue Gesprächsregeln schaffen: Vereinbart regelmäßige Gespräche, in denen beide ehrlich über Gefühle, Ängste und Wünsche sprechen können.

 

  • Beziehungsregeln definieren: Klärt, was Treue und Ehrlichkeit für euch bedeutet, und ob alternative Modelle wie offene oder polyamore Beziehungen infrage kommen.

 

  • Vertrauen aufbauen: Vertrauen entsteht durch konsequentes Handeln – Transparenz, Zuverlässigkeit und das Einhalten von Versprechen sind hier essenziell.

 

  • Professionelle Hilfe suchen: Ich biete professionelle Coachings an, die euch helfen können neues Vertrauen und Regelungen aufzubauen.

Fazit

Fremdgehen ist ein tiefer Einschnitt in jede Beziehung, doch es muss nicht das Ende sein. Ob du verzeihst, hängt von den individuellen Umständen und der Bereitschaft beider Partner ab, in die Beziehung zu investieren. Nutze die Krise als Chance, zu reflektieren, was ihr euch wirklich wünscht, und ob ihr gemeinsam daran arbeiten könnt. Nur so kann aus dem Schmerz eine stärkere, ehrlichere Verbindung wachsen.

 

In unserem Kurs „Beziehungsfähig“ kannst du lernen Grenzen zu setzen und etwas gegen Unzufriedenheit in Beziehungen zu tun, noch bevor es zum Fremdgehen kommt.
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