Wir haben nie gesunde Kommunikation erlernt. Zumindest die wenigsten von uns. Aber warum ist es so? In diesem Blogartikel spreche ich über meine Erfahrungen zur Kommunikation, was ich und meine Partner früher falsch gemacht haben und wie wir aus dem Kreis rausgekommen sind.
Beziehungsvorbilder früherer Generationen
Ich bin noch in der Generation des Bravo-Magazins groß geworden. Meine Eltern haben beide viel gearbeitet und haben dann abends oft erschöpft zusammen Fernsehen geschaut. Es gab auch nicht viel zu besprechen. Es gab eine klare Rollenverteilung: Mann arbeitet sehr viel und Frau arbeitet auch viel und macht Haushalt und die Care-Arbeit. Die Dynamik von Beziehungen konnte ich eigentlich nur aus den Filmen erlernen: Sie bestanden aus Kommunikation und Drama, Affairen und Lügen. Oft waren in dann die Frauen Crazy und die Männer halt A…löcher. Aber es kam auch ein Happy End: Also alles gut. Da muss man durch, denn Drama bedeutet große Liebe mit Happy End, oder?
Zum Glück hat uns die Bravo, die Cosmopolitan und andere Frauenmagazine dann noch den Rest gelehrt:
Die Kunst als Frau nicht ins Drama zu kommen: Geheimnisvoll, immer schick und elegant (innen und außen) und fleißig muss man sein, damit es nicht zum Streit kommt und die Partner sich nicht eine andere suchen.
Und die Männer müssen natürlich stark sein: Keine Gefühle zeigen, da sie sonst als schwach gelten. Die Generation toxische Männlichkeit ist geboren: Ein Mann, der alles weiß, nicht kritikfähig ist, keine Gefühle zeigen kann und sich nicht belehren lassen darf. Prominente Beispiele sind Herr Lindner und Herr Söder: Macht und Stärke um jeden Preis aber hinter der Fassade ein winzig kleines Ego.
Diese Waage konnte lange gut gehen. Ein Grund, warum die AfD vermutlich genau dieses alte Rollenbild zurückwill (anstatt mit der Zeit zu gehen). Die Frauen waren ja leise und „hielten sich an die Regeln“. Doch heute sind Beziehungen bunt und gleichberechtigt. Es gibt keine klare Rollenverteilung mehr, denn die Rollenverteilung war ungerecht und hat auf Dauer doch niemanden glücklich gemacht. Die Verbindungen in den Partnerschaften sind verloren gegangen. Laut Statistik gehen mindestens 1/3 der verheirateten Menschen fremd. Dazu gibt es eine hohe Dunkelziffer. Man kann von circa 50% ausgehen. Die alten Strukturen bringen keine Gemeinsamkeit, keine Nähe und die Partnerschaften leben sich immer mehr auseinander und versuchen im Außerhalb ihre unerfüllten Bedürfnisse zu stillen.
Unsere Beziehungserfahrung
In meinen ersten Beziehungen angekommen, wollte ich mit meinem Perfektionismus die perfekte Frau sein: immer schick, elegant, der Haushalt gemacht und das Essen auf dem Tisch. Doch ich stieß immer wieder an meine Limits. Ich bin immer wieder an Partnerschaften gekommen, die ich emotional nicht erreichen konnte und dachte, dass die Beziehungen erfüllter werden, desto perfekter das zu Hause ist.
Ich dachte, dass es mir nichts ausmacht Vollzeit zu arbeiten, den Haushalt zu schmeißen und das Essen auf den Tisch zu servieren. Ich war glücklich darüber meine Beziehungsmenschen glücklich zu machen. Doch in Wirklichkeit setzte mich die Perfektion immer mehr unter Druck. Ich kam nicht mehr hinterher und ich war immer unter Anspannung. Ich musste meine Partner doch mehr in die Arbeit einbinden. Doch oft wurden meine Bitten nicht erhört oder eben schlampig gemacht: Ich frage mich bis heute, warum viele nicht mal gelernt haben einen Tisch ordentlich abzuwischen.
Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie mich nicht ernst nahmen und ihnen einfach alles egal war. Da wurde ich laut, da flogen Bücher vom Regal auf den Boden. Ich war nicht stolz darauf und irgendwann merkte ich, dass ich zwar verärgert war, die Reaktion von mir aber nicht angebracht war. Ich habe angefangen an mir zu arbeiten.
Genauso ging es bei Chris und Fabi. Sie lernten ihre Schalter kennen. Christian hat sich oft angegriffen gefühlt, wenn er geflunkert oder gelogen hatte und er lernte, dass er nicht mehr lügen sollte.
Fabi merkte, dass er meist auswich, anstatt sich zu verteidigen und dadurch sehr gereizt und genervt war und arbeitete auch an sich und daran öfter zu sagen, was er dachte.
Heute führen wir eine harmonische Beziehung. Wir erkennen sofort, wenn unsere Schalter getroffen werden und gehen in die Regulation und passen unsere Kommunikation an. Wir arbeiten und regulieren uns gegenseitig im Team.
Was macht man jetzt, wenn die Kommunikation nicht mehr funktioniert?
Wenn deine Kommunikation in der Beziehung nicht mehr funktioniert, musst du deine Schalter finden. Es ist kein leichter Prozess, aber damit lässt sich so ein Kreis durchbrechen.
Oftmals sind es bei jedem ein, zwei oder drei Muster, die sich wiederholen und die schlechten Verhaltensmuster in Streitgesprächen zum Vorschein bringen. Sie bewegen bei uns ein Gefühl, dass eine Reaktion in uns hervorruft. Es sind Baustellen, an denen wir aktiv arbeiten müssen. Es sind Baustellen, die eine Regulierung von uns erfordern. Doch meist haben wir in unserer Kindheit verpasst diese Regulierung zu erlernen.
Das tückische daran: Oftmals zieht uns dieses Muster in einen Kreis, der sich immer mehr verschlimmert. Ein Streitgespräch baut auf dem nächsten auf. Es fallen Wörter wie „immer bist du so“ und Unzufriedenheit macht sich breit. Unzufriedenheit ist einer der größten Beziehungskiller, da Menschen oft ihre Unzufriedenheit nicht regulieren können und diese negativen Gefühle an anderen auslassen.
Erst wenn man die Ursachen erkannt hat und an der Unzufriedenheit arbeitet, wird die Kommunikation immer gesünder verlaufen und man kann zu einem Team heranwachsen, indem man Verständnis für die Schalter der anderen Person zeigt.
In unserem Kurs „Beziehungsfähig“ kannst du lernen Grenzen zu setzen und etwas gegen Unzufriedenheit in Beziehungen zu tun.
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